Das Stadtmuseum, ein zum Hadamarer Renaissance-Schloss gehörendes ehemaliges Wirtschaftsgebäude
(erbaut um 1625), wurde innerhalb einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren restauriert
und im Jahre 1988 eröffnet. Wechselausstellungen im Obergeschoss des Stadtmuseums
ergänzen die ständigen Ausstellungen von Ernst-Moritz Engert, Karl-Wilhelm Diefenbach
und Alois Koch. Ernst
Moritz Engert
Von allen grafischen Ausdrucksmöglichkeiten ist die Kunst des Silhouettenschneidens
eine der anmutigsten. Ernst Moritz Engerts Begeisterung für eben diese Kunst hat
ihre Wurzel in seiner Kindheit in Japan, wo er am 24.2.1892 als Sohn einer Hadamarer
Familie geboren wurde. Sein Lebenswerk konzentrierte sich im Wesentlichen auf
die Menschendarstellung. Engert, mit der Charakterkunde und der Physiognomie eng
vertraut, fand hier ein unerschöpfliches Arbeitsfeld. Ihm gelang es intuitiv,
ein Gesicht, eine Gebärde in der vereinfachten, andeutenden Formensprache der
Silhouette zu erfassen. Fast endlos ist die Reihe seiner Porträt- und Bildnissilhouetten.
Klangvolle Namen aus Wissenschaft, Politik, Kunst, Literatur, der Theaterwelt
und des Films finden sich darunter. In Bonn, Darmstadt, München und Berlin war
Engert der unermüdliche Chronist seiner Umwelt mit Zeichenstift und Silhouettenschere.
Die Welt der Bühne faszinierte ihn. Hier konnte er in unverwechselbarer Form seiner
Kunst Sinn und Leben vermitteln. Man vermisst in den Werken von Ernst Moritz Engert
die Farben keineswegs. Er hat das Schattenbild mit Leben und Bewegung erfüllt
und damit zum wahren Kunstwerk erhoben. Seine treffsichere, pointierte Ausdruckskraft
macht ihn ohne Zweifel zum bedeutendsten europäischen Silhouettenkünstler
des 20. Jahrhunderts. Ernst Moritz Engert starb am 14.8.1986 und wurde in seiner
Heimatstadt Hadamar beigesetzt.Karl Wilhelm Diefenbach
Der
Maler, Gesellschaftskritiker und Sozialreformer Karl Wilhelm Diefenbach wurde
am 21.2.1851 in Hadamar geboren. Schon in seiner frühen Münchener Zeit,
in der er auch die Kunstakademie besuchte, fand seine
Malerei Beachtung und Anerkennung. Dagegen brachten ihm seine sozialreformerischen
Ideen und Ideale Unverständnis, ja sogar Verachtung und Verfolgung ein. Sein Eintreten
für die Beachtung der Naturgesetze, sein Werben für ein einfaches, naturverbundenes
Leben wurde in seiner Zeit nicht verstanden. Wien, Triest, Kairo und Capri waren
wichtige Stationen seines Lebens. Capri bot ihm in den letzten Lebensjahren den
Rahmen für sein reiches künstlerisches Schaffen. Viele seiner Werke spiegeln die
Trauer, den Schmerz und die Enttäuschung über die Verständnislosigkeit und die
Anfeindungen seiner Zeit wider. Im Gegensatz dazu steht sein wohl bedeutendstes
Werk, der große Fries "Per aspera ad astra - Auf rauher Bahn zu den Sternen hinan".
Dieses Lebensmärchen der Jugend, der Anmut, der Heiterkeit und der Harmonie, das
1888 in Wien entstand, ist nach 100 Jahren in Diefenbachs Geburtstadt gekommen.
Im Obergeschoss des Stadtmuseums ist dieses 68 m lange Wandfries ausgestellt.
Karl Wilhelm Diefenbach starb am 13.12.1913 auf der Insel Capri. Dort erinnert
noch heute auch ein Museum an sein künstlerisches Schaffen.
Alois Koch
Der Maler und Grafiker Alois Koch hat im Hadamarer Stadtmuseum seinen Platz gefunden.
Er wurde am 26.7.1910 in Oberweyer geboren und lebte seit 1939 im niederbayerischen
Straubing. Sein eindrucksvolles Werk aus allen Phasen seines künstlerischen Schaffens
ist in der Eingangshalle des Museums der Öffentlichkeit in einer Daueraustellung
zugänglich gemacht worden. Impressionismus, Expressionismus und die Liebe zur
Natur prägen seine Werke. In seinen Bildern trifft man immer wieder auf die Stromlandschaften
der Donau mit ihren Auen, den Bayerischen Wald und jüngst auch auf Motive aus
seiner Heimatstadt. Die Vielfalt seiner Techniken, Kohle und Rötel, Tusche und
Feder, Pastell und Aquarell bis hin zum großformatigen Ölbild, zeigt seine reichhaltige
künstlerische Palette. Wer immer den Bildern von Koch begegnet, wird von deren
Farbigkeit und Leuchtkraft fasziniert sein. In seinen Werken tut sich ein Reich
der Farben und des Lichts auf, das trotz aller Buntheit von Harmonie und Ausgeglichenheit
beherrscht wird. Die Bilder von Alois Koch haben Rang und Geltung in der Malerei
der Gegenwart gefunden.
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